Literaturinfo

 

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Hier finden Sie Informationen zu den gelesenen (bzw geplanten) Büchern
aus 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007 und 2004:

 

2014

„Romane aus aller Welt"

30. Januar 2014

David Guterson, Schnee, der auf Zedern fällt

Auf einer kleinen Insel vor der Nord-West-Küste Amerikas steht Kabuo Miyamoto, ein vielfach ausgezeichneter japanisch stämmiger, amerikanischer Kriegsveteran vor Gericht. Er ist angeklagt des Mordes an seinem Kollegen und Freund Carl Heine, Lachsfischer wie er. Der Verdacht haftet besonders hartnäckig an Kabuo, weil er zur japanischen Bevölkerung der Insel gehört; der Krieg, vor allem der Angriff der Japaner auf Pearl Habour, liegt erst 10 Jahre zurück und die rassistischen Vorurteile drohen den Prozess in eine fatale Richtung zu wenden. „Gutersons „Verbindung journalistischer Tugenden mit erzählerischer Kunst" (m.faz.net/aktuell/feuilleton) machen das Besondere dieses Romans aus - ein Krimi der Extraklasse.

20. Februar 2014

Graciliano Ramos, Karges Leben

„‘Karges Leben‘ von Ramos war Ausdruck einer Wende in der brasilianischen Literatur, denn der Roman bezog Stellung gegen Armut und Ungerechtigkeit. Doch nicht nur das: Der bereits 1938 im Original erschienene Roman ist bis heute aktuell. Die soziale Situation im Dürregebiet des brasilianischen Nordostens hat sich seitdem kaum verändert. Und auch die Auswirkungen, die Hoffnungs- und Trostlosigkeit auf die menschliche Psyche" der armen Wanderarbeiter wie hier am Beispiel von Fabiano und seiner Familie geschildert, „sind die gleichen geblieben." (Eva Karnofsky, WDR 3 Mosaik, 3.7.2013)

27. März 2014

Julian Barnes, Vom Ende einer Geschichte

(kiwi-Klappentext:) „Wie sicher ist Erinnerung, wie unveränderlich die eigene Vergangenheit? Tony Webster, der Protagonist des Romans, muss lernen, dass Geschehnisse, die lange zurückliegen und von denen er glaubt, sie nie mehr hinterfragen zu müssen, plötzlich in ganz neuem Licht erscheinen. Als der hochbegabte Finn Adrian in Tonys Klasse kommt, schließen die Jungen schnell Freundschaft...Auch nach der Schulzeit bleiben sie in Kontakt. Bis ihre Freundschaft ein jähes Ende findet", und Finn Selbstmord begeht. Vierzig Jahre später, als Tony hat eine Ehe, eine gütliche Trennung und eine Berufskarriere hinter sich hat, glaubt er, mit sich im Reinen zu sein. Doch eine eigentümliche Erbschaft erweckt plötzlich Zweifel an den vermeintlich sicheren Tatsachen seiner Biographie. Seine intensiven Nachforschungen zeigen immer deutlicher, dass vieles anders war, als sein Gedächtnis wahr haben will.

24. April 2014

Melinda Nadj Abonji, Tauben fliegen auf

„ ‚Wir haben hier noch kein menschliches Schicksal, wir müssen es uns erst noch erarbeiten‘, sagt Ildikos Mutter. Längst ist die Familie eingebürgert und betreibt ein Café in bester Seelage. Doch angekommen sind sie nicht, die beiden Töchter Ildico und Nomi wachsen zwischen zwei Welten auf, sind hin- und hergerissen zwischen der verlorenen Heimat in der Vojvodina und dem Wunsch, Teil der Schweizer Gesellschaft zu sein". (dtv Klappentext)

 

2013 

 

28. November 2013, 19.00 Uhr

Schlussveranstaltung des Literaturkreises 2013

Werner Gabriel gibt eine Einführung in Friedrich Torbergs Leben und Werk, und stellt dann den Roman „Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlandes in Anekdoten" vor (Klappentext des Anaconda-Verlags:) „Mit seiner Tanta Jolesch setzte Friedrich Torberg der Welt des ehemaligen Habsburgerreiches ein literarisches Denkmal. Hier schreibt er als einer der letzten Zeitgenossen, beschwört noch einmal das Lebensgefühl einer ganzen Kultur-Epoche..."

 

 

31. Oktober 2013

Maria Barbal, Wie ein Stein im Geröll

„Conxa, ein Mädchen von 13 Jahren, wird von ihren Eltern, armen Bauern in einem kleinen Dorf in den katalanischen Pyrenäen, zur kinderlosen Tante in ein anderes Dorf gebracht. Dort arbeitet sie im Haushalt und auf dem Feld und lernt später Jaume kennen, den sie gegen anfängliche Widerstände heiratet. Maria Barbal führt uns in einer schnörkellosen Sprache in die fast archaisch anmutende Welt spanischer Bergdörfer, in der das Leben von ewig gültigen Traditionen geprägt scheint. Diese Welt wird brutal von der Politik überfallen, vom Bürgerkrieg zwischen Anhängern der neuen Republik und den Anhängern Francos..." (www.transit-verlag.de)

 

19. September 2013

Rose Tremain, Der weite Weg nach Hause

Dies ist die Geschichte von Lev, den die wirtschaftliche Not aus seiner ukrainischen Kleinstadt in die Metropole London treibt. Mit wenig Geld und noch weniger Sprachkenntnissen wird es ein sehr holpriger Anfang, aber Lev gibt nicht auf - schließlich muss er seine Mutter und seine kleine Tochter daheim ernähren. Schließlich, nach manchem Fehlschlag, entdeckt er, dass er ein besonderes Talent hat: er kann sehr gut kochen. Und über diese Fähigkeit wird den Roman zu einem glücklichen Ende geführt. „Hier wird keine farbenprächtige Multikulti-Welt ausgemalt, vielmehr die bittere Außenseiterrolle der Billigarbeitskräfte beschrieben, ihre gnadenlose Ausbeutung, ihre soziale Ausgrenzung, ihre Einsamkeit ... Zwei Kulturen stoßen aufeinander, und Rose Tremain zeigt, wie schwer es einem Fremden gemacht wird, sich einzufinden. Das gibt ihr aber auch die Gelegenheit, kleine, witzige Anekdoten zu erfinden. Man kann über Levs Fehler und Missverständnisse lachen, ohne ihn zu verlachen." (Johannes Kaiser, www.dradio.de, 2010)

 

 

27. Juni 2013

Lily Brett, Chuzpe

Mit einem heiteren Roman wollen wir in die Ferienzeit gehen! Aus der Empfehlung des Suhrkamp-Verlages: „Eine herrlich amüsante Vater-Tochtergeschichte...Vater Edek ist 87 und zieht von Melbourne zu seiner Tochter nach New York und mischt fortan ihr sorgfältig geplantes Leben durcheinander...Edek ist nämlich kein typischer Rentner, den Tochter Ruth in Seniorenvereinen beschäftigen kann, sondern er steckt voller Lebensfreude, Tatkraft und verrückter Ideen...Lily Brett konfrontiert wunderbar die Leiden der Tochter eines Holocaustüberlebenden und die Selbstzweifel einer Frau in den Wechseljahren mit dem Charme und der lebensfrohen Spontaneität zweier so ganz anderer Rentner."

 

 

21. März 2013

Philip Roth, Nemesis

Der Roman handelt vom (fiktiven) „Ausbruch einer Polioepidemie im Sommer des letzten Kriegsjahres und deren erschütternden Auswirkungen auf die Eltern und Kinder einer eng verbundenen Gemeinschaft. Im Mit telpunkt von Nemesis steht Bucky Cantor, ein junger Sportlehrer, der wegen seiner Kurzsichtigkeit nicht zum Militär eingezogen wurde und der sich hingebungsvoll um seine Schüler kümmert."(Klappentext)

Aber er führt einen aussichtslosen Kampf.

 

28. Februar 2013

Vicki Baum, Menschen im Hotel

Im „Grand Hotel", so der englische Titel des Romans, geht es um eine Handvoll Menschen, deren Wege sich dort mehr oder weniger zufällig für einige Zeit kreuzen: die alternde russische Ballerina Grusinskaja, die ihre große Zeit hinter sich hat, der attraktive, durchaus nicht ehrbare Baron Gaigern, der todkranke Hilfsbuchhalter Kringelein, der vor seinem Ende endlich einmal das Leben kennenlernen will, und noch einige andere, die Vicki Baum in ihren Krisen, Träumen und Enttäuschungen zeigt. Mit leichter Hand, Poesie und subtilem Witz zeichnet sie ein atmosphärisch dichtes Bild vom Berlin der zwanziger Jahre.

 

31. Januar 2013

Joseph Roth, Das falsche Gewicht

Nach 12 Jahren Militärdienst in der k. u. k.-Monarchie übernimmt Anselm Eibenschütz seiner Frau zuliebe den zivilen Posten eines Eichmeisters.

Doch in der Gegend, in die er versetzt wird, sind Betrug und Bestechung ander Tagesordnung. Hier muss einer wie Eibenschütz, der gewissenhaft die Einhaltung der Gesetze überwacht, scheitern. „Das Gleichnis von den Gewichten, die falsch und richtig zugleich sind, entstand 1937 im Pariser Exil. Leicht und spannend.mit liebevoller Melancholie lässt Roth die Welt des sterbenden k. u. k.-Österreich entstehen". (Klappentext KiWi)

 

 

2012

29. November 2012

Lesen in Zornheim

Jahresabschluss - Lesung oder Büchervorstellung...

 

25. Oktober 2012

Peter Henisch, Eine sehr kleine Frau

Paul Spielmann ist nach langem Aufenthalt in den USA nach Wien zurückgekehrt. Bei einem Spaziergang durch die Stadt entdeckt er in einem Antiquitätengeschäft einen Flügel, der Erinnerungen an seine Großmutter weckt. Nun besucht er die Orte, zu denen er einst an der Hand seiner Oma spazierte, und erinnert sich an die unzähligen Geschichten, die sie ihm dabei vortrug. Sie hat ihm den Weg in die Literatur geöffnet. Nach und nach erfahren wir auch das Leben dieser ungewöhnlichen Frau, die zwei Kriege erlebt hat und ihre jüdischen Wurzeln gezwungenermaßen verbergen musste - verloren hat sie sie nie.

„30 Jahre nach der Veröffentlichung von ‚Die kleine Figur meines Vaters‘ blättert er erneut in der eigenen Familiengeschichte und entwickelt eine faszinierende Reise zwischen gestern und heute. (NRZ)."

 

27. September 2012

Wolf Haas, Das Wetter vor 15 Jahren

„Das Wetter vor 15 Jahren" sieht zunächst gar nicht nach einem Roman aus - es ist ein gut 200 Seiten langes Interview einer fiktiven norddeutschen Journalistin - wenig charmant „Literaturbeilage" genannt - und dem ebenfalls fiktiven österreichischen Starautor namens „Wolf Haas" über dessen neusten Roman. In diesem fünf Tage dauernden Gespräch bekommt der Leser nach und nach nicht nur die Geschichte erzählt, sondern auch einiges zum Prozess des Schreibens, zur Literaturkritik, zur Kunst der Interpretation geliefert, garniert mit kleinen Bosheiten. Auch weiß der Leser oft nicht so recht, mit welchem „Wolf Haas" er es zu tun hat: Dem echten oder dem fiktiven...

 

30. August 2012

Johanna Adorjan, Eine exklusive Liebe

„Zwei Menschen, die miteinander alt geworden sind, beschließen, sich das Leben zu nehmen. Er ist schwer krank, sie will nicht ohne ihn sein. An einem Sonntag im Herbst 1991 setzen sie ihren Plan in die Tat um."(btb-Verlag) 16 Jahre später rekonstruiert Johanna Adorjan nicht nur den letzten Tag ihrer Großeltern, sondern auch deren aufregende Lebensgeschichte.

 

28. Juni 2012

Anna B. Ragde, Das Lügenhaus

Als die Bäuerin Anna nach einem Schlaganfall im Sterben liegt, kommt die zerstrittene Familie nach Jahren erstmals wieder auf dem heruntergekommenen Bauernhof in Norwegen zusammen. Tor, der älteste Sohn, der den Hof übernommen hat und mehr schlecht als recht von der Schweinezucht lebt, verständigt nicht nur seine beiden Brüder - den Bestattungsunternehmer Margido und den jüngsten Bruder Erlend, der mit seinem Lebensgefährten als Schaufensterdekorateur in Kopenhagen lebt - sondern auch die lange verschwiegene Tochter, eine selbständige junge Frau von 37 Jahren. Als alle zusammen sind, hält ausgerechnet der Vater, der eine Schattenexistenz auf dem Hof geführt hat, eine Überraschung bereit: er lüftet ein unglaubliches Familiengeheimnis, das alle betrifft: die Lebenslüge der alten Bäuerin.

 

31. Mai 2012

Kristín Marja Baldursdóttir, Die Eismalerin

Island um 1900: Die Zeiten sind hart. So ist z. B. an eine Schul- oder Berufsausbildung für junge Leute kaum zu denken, außer man verfügt über das nötige Vermögen. Trotzdem schafft es Steinunn, die Witwe eines Fischers, nicht nur, ihre sechs Kinder zu ernähren, sondern allen, auch den Mädchen, eine Ausbildung zukommen zu lassen. Um das Schulgeld aufzubringen, müssen sie schwer in der Fischfabrik arbeiten, aber der strategisch ausgeklügelte Plan der Mutter führt zum Ziel. Auch Karitas, der Jüngsten, die ihr Talent zur Malerei entdeckt, ermöglicht eine Gönnerin den Besuch der Königlichen Kunstakademie in Dänemark. Sie hat Erfolge, doch dann tritt der Fischer Sigmar in ihr Leben, und sie steht vor einer schicksalhaften Entscheidung.

Interessante, starke Figuren, an denen man sich durchaus reiben kann!

26. April 2012

Jenny Erpenbeck, Heimsuchung

Zwar musste die Januar-Sitzung leider ausfallen, nicht so Jenny Erpenbecks Roman! Den holen wir im April nach:

(Klappentext): „Ein Haus an einem märkischen See ist das Zentrum, zwölf Lebensläufe, Geschichten, Schicksale von den Zwanzigerjahren bis heute ranken sich darum. Das Haus und seine Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR, die Wende und die Zeit der Nachwende. Jedem einzelnen Schicksal gibt Jenny Erpenbeck eine eigene literarische Form...Alle zusammen bilden eine Art kollektives literarisches Gedächtnis des letzten Jahrhunderts."

15. März 2012 (ausnahmsweise am 3. Donnerstag)

Jeannette Walls, Ein ungezähmtes Leben

In ihrem Roman „Schloss aus Glas“ erzählte Jeanette Walls die Geschichte ihrer Jugend in Armut, ihre Flucht in die Stadt New York und ihren Aufstieg zur Journalistin. In diesem Buch lernten wir auch ihre spleenige Mutter Rosemary kennen. In „Ein ungezähmtes Leben“ nun springt sie zwei Generationen zurück und stellt das Leben ihrer Großmutter Lily Casey Smith vor. Die Tochter eines Pferdezüchters kämpft sich zielbewusst durchs Leben. Die harte Arbeit auf der Ranch, weit entfernt von aller Cowboy-Romantik, Lilys hartnäckige und erfolgreiche Versuche, eine ordentliche Schulbildung zu erhalten, schließlich ihre Arbeit als Lehrerin und zusammen mit ihrem Mann die unzähligen Versuche, in immer neuen Jobs Fuß zu fassen – dies alles entführt den Leser in eine ferne, fremde Welt.

 

23. Februar 2012

John von Düffel, Houwelandt

John von Düffel erzählt von drei Generationen der Familie Houwelandt. Jorge, der Großvater, Asket und tyrannischer Patriarch der Familie, sieht nach einem mit unerbittlichem Stolz gelebten Leben mit seiner Frau Esther seinem achtzigsten Geburtstag entgegen. Das Ehepaar lebt seit langem an der spanischen Küste, das Elternhaus in Norddeutschland wird verwaltet vom ältesten Sohn Thomas, der am väterlichen Starrsinn zu zerbrechen droht. Sein ältester Sohn Christian wiederum hat den Großvater kaum kennengelernt. Trotzdem bittet ihn seine Großmutter, die Festrede zu Jorges Geburtstag zu halten. Je näher dieser Geburtstag rückt, desto unausweichlicher wird jeder einzelne mit der Vergangenheit – seiner eigenen und der der Familie – konfrontiert.

2011

24. November 2011

In Zornheim lesen". Buchvorstellungen bei einem Glas Wein.

Dies ist eine Sonderveranstaltung des Literaturkreises, bei der in zwangloser Runde vier Zornheimerinnen persönliche Leseempfehlungen geben. Diese Bücher wurden vorgestellt:

Elke Heidenreich/Bernd Schröder, Alte Liebe (Inge Metz)
Richard Powers, Der Klang der Zeit (Ingeborg Joeres-Weicker)
Herta Müller, Atemschaukel (Christa E. Wolff)
Markus Zusak, Die Bücherdiebin (Ingeborg Düsing)

Ein schöner Wein-Lese-abend

Der Literaturkreis hatte mit "In Zornheim lesen - Buchvorstellungen bei einem Glas Wein" einen Wein-Lese-Abend durchgeführt. Ausgehend von der Idee, dass persönliche Buchempfehlung immer die Besten sind, haben 4 Damen aus dem Literaturkreis je ein Buch vorgestellt. Dazu hatte Herbert Braunbeck jeweils einen passenden Wein ausgesucht und leckere Häppchen standen auch bereit. Diese Bücher wurden vorgestellt und empfohlen:

Elke Heidenreich, Alte Liebe (Inge Metz) + Richard Powers, Der Klang der Zeit (Ingeborg Joeres-Weicker) - Herta Müller, Atemschaukel (Christa E. Wolff) + Markus Zusak, Die Bücherdiebin (Ingeborg Düsing)

In den Pausen wurde der Wein verkostet und das Gespräch über diese und andere Bücher kam schnell in Gang.
Am Ende des Abends tauchten bereits erste Übelegungen auf im kommenden Jahr eine Wiederholung - natürlich mit neuen Empfehlungen - zu organisieren.

 
 
Fotos: Hr. Weicker
27. Oktober 2011

Urs Widmer, Herr Adamson

(Aus dem Diogenes-Klappentext:)

„Seinen 94. Geburtstag hat er gerade gefeiert, umgeben von seinen Lieben. Da sitzt er nun im Garten und spricht die Geschichte seines Lebens für seine längst erwachsene Enkelin auf Band: er erzählt von einer Begegnung mit dem geheimnisvollen Herrn Adamson, die den damals Achtjährigen nie mehr losgelassen hat. Nun, mehr als 80 Jahre später, erwartet er Herrn Adamson wieder. Urs Widmers Erzählung von dem persönlichsten Rendezvous eines jeden Menschen ist ein vitales Zeugnis von Lebensfreude und Dankbarkeit, die ein erfülltes Leben erzeugt."

 

29. September 2011

Martin Suter, Small World

Nach der Sommerpause beginnen wir mit leichterer Kost: In dem 1997 erschienenen Roman „Small World" steht Konrad Lang im Mittelpunkt eines turbulenten Geschehens. Alkoholiker, einer, der von einer reichen Industriellenfamilie immer nur beschäftigt - sprich: ausgenutzt wird. Bei ihm entwickelt sich nach und nach eine Alzheimer-Erkrankung, die dazu führt, dass er zwar sein Kurzzeitgedächtnis verliert, dass aber immer häufiger Erinnerungen aus seiner frühesten Kindheit auftauchen. Und das scheint einigen Leuten nicht zu gefallen...

Der Roman ist eine Mischung aus Psychothriller der sanften Art, einer sauber recherchierten Krankengeschichte und einer tragikomischen Gesellschaftsstudie. Und am Ende steht noch - ganz märchenhaft inszeniert - ein medizinisches Wunder. Info bei wikipedia

 

- Im August findet kein Literaturkreis statt -

 

28. Juli 2011

Monika Maron, Ach Glück

„Ach Glück" ist eine klassische Aufbruchsgeschichte.

In das in Gewohnheit und Gleichgültigkeit erstarrte Leben von Johanna und Martin - den Figuren aus dem Roman „Endmoränen" - gerät zufällig ein schwarzer verlassener Hund. Johanna, die die Zukunft nur noch grau in grau sieht, fragt sich angesichts der Lebensfreude und anhänglichen Liebe dieses Tieres nach ihren eigenen Wünschen und Sehnsüchten, ihrem „Glückspotential". Durch einen weiteren Zufall kommt sie in Kontakt mit einer alten russischen Aristokratin, die in Mexiko nach ihrer Jugendfreundin, der Künstlerin Leonora Carrington sucht. Johanna folgt der Einladung ins Unbekannte, nach Mexiko, während ihr Mann ratlos Berlin durchstreift und sich fragt, wie sein Leben so durcheinander geraten konnte.

30. Juni 2011

Anna Katharina Hahn, Kürzere Tage

Zwei Mütter, wie sie verschiedener nicht sein könnten, stehen im Mittelpunkt dieses Romans. Da ist einmal Judith, eigentlich Jutta, die nach einer wilden Studentenzeit und einem abgebrochenen Studium in die Ehe mit einem gut verdienenden „Langweiler" geflüchtet ist und sich - samt zwei Söhnen - der Waldorfpädagogik verschrieben hat Allerdings: wenn die Kinder schlafen, droht ihre mühsam zurechtgezimmerte neue Identität zu zerbrechen. Dann helfen heimlich geschluckte Psychopharmaka.

Die andere ist Leonie, eine gut verdienende Karrierefrau, immer abgehetzt, immer mit schlechtem Gewissen, weil sie für ihre beiden Töchter - so fürchtet sie - zu wenig tut, und weil sie das Gefühl nicht los wird, von den nicht berufstätigen Müttern schief angesehen zu werden. Es ist erstaunlich, dass der Roman nicht ins Klischee abgleitet, aber Anna Katharina Hahn verbindet die sattsam bekannte Problematik um die verschiedenen weiblichen Lebensmodelle mit einer präzisen Milieuschilderung und einer Erzählhaltung, die zwischen Anteilnahme und Ironie schwankt. Und dann ist da noch der 14jährige Marko, ein „Outlaw", der dem Roman zu einem furiosen Schluss verhilft. Rezension der FAZ

 

26. Mai 2011

Katharina Hagena, Der Geschmack von Apfelkernen

Iris hat das seit langem leer stehende Haus ihrer verstorbenen Großmutter in einem winzigen Dorf in der Gegend um Bremen geerbt. Nach der Beerdigung reisen ihre Mutter und die Tanten gleich wieder ab. Iris aber, unschlüssig, ob sie das mit guten und bösen Erinnerungen behaftete Erbe überhaupt antreten soll, will nur noch ein paar Tage zur Erledigung der Formalitäten bleiben. Sie durchstreift Haus und Garten, und nach und nach erliegt sie der Magie des Ortes. Info zum Buch auf der homepage der Autorin

28. April 2011

Xinran, Die namenlosen Töchter

Mädchen, das sind „Essstäbchen", Jungen aber sind das „Dachgebälk"; das ist in der chinesischen Provinz allbekannt. Beschämt darüber, dass er keinen Sohn, aber sechs Töchter gezeugt hat - und von der Dorfgemeinschaft entsprechend behandelt wird - macht der Vater sich gar nicht erst die Mühe, Namen für seine Töchter zu suchen: er nummeriert sie einfach durch. Aber Tochter Drei widersetzt sich dem üblichen Schicksal einer arrangierten Ehe und flieht in die nächst gelegene Großstadt. Dort findet sie nicht nur einen interessanten Job, sie holt auch Schwester Fünf und Sechs nach, die ihrerseits gutes Geld verdienen und endlich die Anerkennung finden, die ihnen im Dorf und der eigenen Familie immer versagt geblieben ist. Mit großem Hintergrundwissen beschreibt die in jetzt in England lebende Journalistin Xiran die politische und gesellschaftliche Situation im China nach Mao Zedong. Info Autorin

31. März 2011

Dai Sijie, Balzac und die kleine chinesische Schneiderin

Wie kommt Balzac nach China, und noch dazu in die Hände einer jungen chinesischen Schneiderin, und das alles zu Zeiten der Kulturrevolution, als der Besitz von Büchern streng verboten, ja geradezu lebensgefährlich war? Durch zwei „Studenten", junge Männer, die nach dem dritten Jahr der Oberschule schon als Intellektuelle verdächtig waren und zur „Umerziehung" in ein Bergdorf am Ende der Welt geschickt worden waren! Trotz schmerzlicher Erinnerungen - die Schrecken der Zeit werden nicht verschwiegen - ist „Balzac und die kleine Schneiderin" ein humorvolles Buch.
Info Autor     Info Buch

Notabene: Im Rahmen der Aktion "Eine Stadt. Ein Buch." wurden vom 18. bis 22. November 2010 100.000 Exemplare des Buches "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" in Wien verteilt.Infos zu Buch, Autor und Aktion gibt es hier

 

24. Februar 2011

Emily Wu, Feder im Sturm. Meine Kindheit in China

Emily Wu, ihr chinesischer Vorname Yimao bedeutet „Feder", ist noch ein Kind, als Maos Kulturrevolution über China hereinbricht. Mit nüchternen Worten beschreibt Wu die Atmosphäre während dieser Schreckenszeit. Als Tochter intellektueller Eltern, der Vater ist Professor für Englisch, die Mutter Übersetzerin, erlebt sie Repressalien und kaum vorstellbare Übergriffe gegen die Familie - Kinder eingeschlossen. Ihre Familienangehörigen, so sagt sie in einem Interview, wurden als „Rechtsabweichler" schlechter behandelt als Mörder, sie waren vogelfrei." 1981 konnte Emily Wu in die USA auswandern. Ihre Bücher sind in China bis heute indiziert!   Info

 

27. Januar 2011

Jung Chang, Wilde Schwäne

Dieses Buch geht weit über eine Autobiographie hinaus: Es zeichnet die Geschichte Chinas im 20. Jahrhundert von der Kaiserzeit bis zum Jahr 1989. Über drei Generationen verfolgt Jung Chang den Werdegang ihrer Familie. Sie beginnt mit dem beschwerlichen Leben ihrer Großmutter, die als Konkubine verkauft und durch das sog. „Füßebinden" verkrüppelt wurde. Dann folgt sie ihrer Mutter durch die Wirren des Bürgerkriegs und die ersten großen Kampagnen der Kommunistischen Partei. Die Autorin selbst, zunächst begeisterte Anhängerin Mao-Zedongs, beginnt langsam an der Radikalität der Partei zu zweifeln.

(Gut 700 Seiten, ein Buch für lange Winterabende!)    Info



2010

- Im Dezember fand kein Literaturkreis statt -

25. November 2010

J.M.Coetzee, Eiserne Zeit

Elizabeth Curren hat Krebs, wie ihr der Arzt eröffnet, im letalen Stadium. Als sie aus der Praxis nach Hause kommt - sie lebt am Rand Kapstadts in einem kleinen Haus -, findet sie auf ihrem Grundstück einen farbigen Obdachlosen vor, den sie nicht verjagt, sondern gewähren lässt. Für sie, die weiße ehemalige Dozentin, wird dieser Schwarze mit zunehmender Hilfsbedürftigkeit zum unentbehrlichen Helfer. Es entsteht eine eigenartige, teils spannungsgeladene Schicksalsgemeinschaft. Darüber und über die durch permanente Gewalt geprägte Zeit des permanenten Ausnahmezustands in den Jahren 1985 bis 1990 in Südafrika schreibt sie für ihre Tochter in den USA ein Tagebuch. Elizabeth Curren ergreift mehr und mehr Partei für die unterdrückten Schwarzen in den Townships, und durch sie und ihr Tagebuch zeigt Coetzee die Ursachen, die dieses Land in die "Eisenzeit", die Zeit der Waffen, laufen lässt.  Info

 

28.Oktober 2010

Tiziano Terzani, Das Ende ist mein Anfang

"Ein Vater spricht über das Leben, den Tod und das Abschiednehmen. Tiziano Terzani hat als langjähriger Korrespondent des SPIEGEL unser Bild von Asien mit geprägt...Als nach längerer Krebserkrankung sein Tod naht, lädt der 65-jährige Terzani seinen Sohn Folco zu sich ein, um Abschied zu nehmen...Es entspinnt sich ein berührender Dialog über das Leben und die Begegnung mit dem Tod, über Abschied, Trauer und Verlust, aber auch über Hoffnung und Wiederkehr." (Klappentext)

 

30. September 2010

Siegfried Lenz, Schweigeminute

Verwirrung der Gefühle: Lenz hat eine Novelle geschrieben über die Liebe eines Gymnasiasten zu seiner nur wenige Jahre älteren Englischlehrerin. Dass das nicht gut ausgehen wird, ist von Anfang an klar: Der Leser kommt mitten hinein in eine Gedenkstunde für die verunglückte junge Frau. "Eine Geschichte über das Erwachsenwerden und das Erwachsensein, eine Geschichte, in der unbeschreibliches Glück neben tief empfundener Trauer steht". (Klappentext)

 

- Im August findet kein Literaturkreis statt -

 

29. Juli 2010

Martin Mosebach, Der Mond und das Mädchen

"Ein Sommernachtstraum mitten im steinernen Frankfurt. Hans und Ina sind ein strahlendes junges Paar. Hans hat eine brillante Bankkarriere begonnen, und umso unbegreiflicher ist es, wie sehr er sich in der neuen Wohnung vergriffen hat: Hinter dem Hauptbahnhof an einer lauten Straße steht dies übrig gebliebene Gründerzeithaus, dem man nicht ansieht, wie seltsam es in ihm zugeht...Ein federleicht und spielerisch erzählter Roman, ironisches Großstadtbild und doppelbödige Liebesgeschichte zugleich." (Hanser Klappentext)

Info bei wikipedia

 

24. Juni 2010

Amélie Nothomb, Mit Staunen und Zittern

Amélie, Tochter eines belgischen Diplomaten, verbrachte ihre ersten fünf Lebensjahre in Japan, und die Erinnerung an diese märchenhafte Zeit bringt sie dazu, als Praktikantin in einem Tokioter Großunternehmen ins Land ihrer Träume zurückzukehren. Nur muss sie sehr bald einsehen, dass ihre europäische Arbeitshaltung, ihre Haltung überhaupt, auf fatale Weise mit der japanischen Unternehmenskultur kollidiert!

Info bei wikipedia

 

22. April 2010 (Achtung - wegen der Afghanistanveranstaltung ausnahmsweise vorletzter Donnerstag im Monat)

Steve Tesich, Ein letzter Sommer

Der 17-jährige Daniel Price erlebt in den später 60er Jahren nach dem Abschluss der High School, wie seine bisher fest gefügte Welt ins Wanken gerät. Der Sommer, der nun vor ihm liegt, verlangt Entscheidungen, die besonders schwer fallen, weil Daniel eigentlich nur weiß, was er nicht will! Seine Schulfreunde gehen schneller als erwartet eigene Wege, er verliebt sich in die unergründliche Rachel und muss sich mit der Krebskrankheit seines Vaters und der bröckelnden Ehe seiner Eltern auseinandersetzen. "Von leichter Hand geschrieben, schildert der Roman dennoch mit Poesie und großer Tiefe die Seelenqualen eines Jugendlichen, der in wenigen Monaten seine erste Liebe und den Tod des Vaters durchleiden muss, um zu begreifen, wie es um die Wirklichkeit des Lebens bestellt ist." (Stuttgarter Zeitung, 12. 12. 2005)

Info zum Buch

 

27. Mai 2010

Aliza Olmert, Ein Stück vom Meer

Aliza Olmert, renommierte israelische Künstlerin, verheiratet mit dem ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten, legte 2001 ihr Romandebüt vor. Sie erzählt die Geschichte ihrer Familie, die 1949 im jungen Staat Israel ankam. Krieg und Verfolgung und das Wunder, überlebt zu haben, liegen hinter ihnen, aber der Neuanfang ist schwer, die Schatten der Vergangenheit sind lang. Die fünfjährige Alusia ist die zentrale Figur des Romans, sie schildert aus ihrer Kinderperspektive die Schwierigkeiten, die die Familie bewältigen muss.

Info beim Aufbau-Verlag

 

25. März 2010

Katharina Hacker, Die Habenichtse

Jakob und Isabelle, die sich in ihrer Studentenzeit gekannt haben, treffen nach Jahren auf einer Party in Berlin zusammen: am 11. September, dem Tag der Anschläge in New York. Jakob ist ihnen nur deshalb entgangen, weil ein Kollege für ihn einen Geschäftstermin wahrgenommen hat. Jakob und Isabelle heiraten, ziehen nach London, wo Jakob die Stelle des getöteten Kollegen in einer Anwaltskanzlei erhält. Isabelle arbeitet weiter für ihre Berliner Graphik-Agentur, die Weichen für ein erfolgreiches Leben scheinen gestellt. Dennoch: die beiden, die scheinbar alles haben, stehen letztlich mit leeren Händen da und sehen rat- und tatenlos zu, wie ihr Leben aus den Fugen gerät.

Info bei wikipedia

25. Februar 2010

Don DeLillo, Falling Man

Im Mittelpunkt des Romans steht die Kleinfamilie von Keith, Lianne und Sohn Justin. An ihnen zeigt DeLillo exemplarisch die traumatisierenden Auswirkungen der Terroranschläge auf den einzelnen Menschen und die amerikanische Gesellschaft:Die Fassaden der Sicherheit sind zerbrochen.

Keith kann sich an jenem 11. September aus einem der brennenden Türme retten. Schwer gezeichnet und mit einer fremden Aktentasche in der Hand zieht es ihn wie in Trance zu Frau und Kind, obwohl er seit über einem Jahr getrennt von ihnen lebt. Keith und Lianne versuchen, in ihr gemeinsames Leben zurück zu finden, aber Keith' Trauma und die Angst vor einem neuen Anschlag überschattet alles. Beiihrem ziellosen Streifen durch die Stadt sieht Lianne mit Grauen "Falling Man",einen Performance-Künstler, der sich nur mit einem Seil gesichert als Chronist des Schreckens von den Hochhäusern in die Tiefe stürzt...

 

28. Januar 2010

Jonathan Safran Foer, Extrem laut und unglaublich nah

Oskar Schell ist neun Jahre alt, hochbegabt, phantasievoll, naseweis und altklug. Vor allem aber ist er tieftraurig und verstört über den Tod seines über alles geliebten Vaters, der den Terroranschlägen des 11.September zum Opfer fiel. Er will unbedingt herausfinden, warum sein Vater sich ausgerechnet an diesem Tag im World Trade Center aufhielt, und was es mit dem kleinen Schlüssel auf sich hat, den er im Zimmer seines Vaters gefunden hat. Mit seinem Tamburin - nicht unähnlich seinem Namensvetter Oskar, dem Blechtrommler- zieht er durch New York, auf der Suche nach dem Schloss, in das sein Schlüssel passt. Mit Oskars Geschichte verbunden ist die seiner deutschen Großeltern, die nach der Bombardierung Dresdens, schwer gezeichnet von Trauer und Verlust, nach New York geflüchtet sind.

Ein unglaubliches Buch: Schelmenroman, Familienepos, Stadtporträt und psychologische Studie in einem.

Info bei wikipedia



2009

26. November 2009

Khaled Hosseini, Tausend strahlende Sonnen

Um zwei afghanische Frauen geht es in diesem Roman. Da ist einmal Mariam, uneheliche Tochter eines reichen Geschäftsmannes und eines Dienstmädchens.
In der afghanischen Gesellschaft gilt sie als Paria. Mit ihrer Mutter lebt sie in einer armseligen Hütte. Der Vater kümmert sich gelegentlich um sie, als ihre Mutter aber stirbt, verheiratet er sie, kaum 15 Jahre alt, mit einem 30 Jahre älteren Witwer aus Kabul. Als Mariam keine Kinder bekommen kann, wird die Ehe zur Hölle. Die andere Frau, Laila, ist Mariams Nachbarin, behütete, selbstbewusste Tochter eines Lehrers. Aber ihre Brüder sterben im Kampf gegen die Sowjetischen Besatzer, und als später, nach deren Abzug, die Mudschahedin sich gegenseitig bekriegen, kommen ihre Eltern bei einem Bombenangriff um. In ihrer Verzweiflung ist sie einverstanden, als Mariams Ehemann sie als Zweitfrau nimmt. Die Brutalität und Tyrannei dieses Mannes schweißt die beiden Frauen nach anfänglichem gegenseitigem Misstrauen zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammen. Faszinierend an diesem Roman ist der Detailreichtum, die genauen Beobachtungen aus dem Alltagsleben dieses in endlosen Kriegen geschundenen und von den Taliban brutal unterdrückten Volks. Es findet sich keine Wertung des amerikanischen Angriffs; aber der Leser bleibt verunsichert und mit der bangen Frage zurück, was wohl geschieht.

 

29. Oktober 2009

Luis Sepúlveda,   Der Alte, der Liebesromane las

Der Alte, Antonio José Bolivar Proano, lernt nach dem Tod seiner Frau von den Shuara-Indianern im ecuadorianischen Urwald nicht nur das Überleben in der Wildnis, sondern vor allem, dass dies nur im Einklang mit und nicht gegen die Natur möglich ist. Nachdem er ohne böse Absicht gegen ein Tabu verstoßen hat, muss er die Gemeinschaft des Stammes verlassen. Er kehrt in die so genannte Zivilisation in einem verlassenen Nest irgendwo am Amazonas zurück, und flüchtet sich - er hat lesen gelernt - in Romane, die ihm der Zahnarzt bei seinen regelmäßigen „Visiten" im Dorf mitbringt. Verbunden mit dieser Geschichte zeigt Sepùlveda unmissverständlich, welche Verbrechen an Menschen und Natur durch Ignoranz und ungebremste Gewinnsucht tagtäglich in diesem Teil der Erde verübt werden, und was dabei unwiederbringlich verloren geht. Dabei kein erhobener Zeigefinger, aber jede Menge Spannung.

24. September 2009

Yann Martel, Schiffbruch mit Tiger

Mit ungebremster Lust am Fabulieren erzählt Martel einen Abenteuerroman und eine Parabel zugleich. Das Abenteuer erlebt Pi, 16 Jahre alt, im Indischen Ozean. Das Schiff, mit dem er, seine Familie und einige übrig gebliebene Tiere aus dem väterlichen Zoo nach Kanada auswandern wollen, sinkt, und Pi findet sich als einziger Überlebender zusammen mit einer Hyäne, einem Orang Utan, einem verletzten Zebra und einem bengalischen Tiger in einem Rettungsboot wieder. Nach und nach reduziert sich die „Besatzung" auf Pi und den Tiger. Hinter diesem manchmal haarsträubenden Plot aber verbirgt sich Martels Grundthema: Die Suche nach dem Glauben, nach Gott; Pi ist nämlich eigenartiger Weise sowohl Christ, als auch Hindu und Muslim.


Im August war kein Literaturkreis


30. Juli 2009

Yukio Mishima, Nach dem Bankett

Mishima war nicht nur Autor von Romanen, Erzählungen, Schauspielen und Gedichten, sondern auch nationalistischer, politischer Aktivist, der - mit einer Phantasiearmee - die unumschränkte Herrschaft des Tenno, des japanischen Kaisers wiederherstellen wollte.
Ob sein spektakulärer ritueller Selbstmord am 25. November 1970 (er war 45 Jahre alt) mit gescheiterten politischen Ambitionen zu tun hatte, ob er als künstlerische Inszenierung von langer Hand geplant oder als Doppelsuizid aus Liebe verstanden werden kann, ist nicht mehr nachzuvollziehen.
Der Roman „Nach dem Bankett" ist - für Mishima nicht unbedingt typisch - ein Zeitroman, der - kühl beobachtend - die Verhältnisse in Tokyo um 1960 aufs Korn nimmt. Trotz seines Alters ist er noch immer aktuell, lässt sich ohne weiteres aus dem japanischen Ambiente herauslösen.

Kazu, eine Frau um die Fünfzig, betreibt in Tokyo ein Feinschmeckerrestaurant, das seine Beliebtheit nicht allein den erlesenen Menüs, sondern auch dem anziehenden Wesen der Gastgeberin verdankt. Auf einem Bankett begegnet sie Noguchi, einem alternden Diplomaten, der sein politisches Comeback plant. Zwischen dem vornehm nüchternen Politiker und der temperamentvollen Schönen beginnt eine eigenartige Liebesbeziehung. Sie unterstützt ihn bei seiner Kandidatur für das Gouverneursamt mit allen legitimen und illegitimen Mitteln. Mishima zeichnet den Alltag der Politik hinter den Kulissen der herkömmlichen Wohlanständigkeit. Nach dem verlorenen Wahlkampf sind Kazu und Noguchi ruiniert und müssen, jeder auf seine Weise, ihr Leben neu ordnen.

 

25. Juni 2009

F. Scott Fitzgerald, Der große Gatsby

Fitzgerald erzählt vom großen amerikanischen Traum („jeder kann alles erreichen“) und dessen Scheitern. Jay Gatsby hat es nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg mit undurchsichtigen eschäften zum Millionär gebracht. Scheinbar ungehemmt nd protzig stellt er seinen Reichtum zur Schau, führt ein großes Haus auf Long Island und veranstaltet rauschende Partys für die New Yorker Gesellschaft.
Dennoch ist er einsam, denn eigentlich ist ihm nur daran gelegen, die Liebe seines Lebens erneut zu gewinnen. Aber er kann die Zeit nicht zurückdrehen. Diese so banal klingende Geschichte wird spannend dadurch, dass ein Biograph eingefügt ist, der kommentiert und erläutert, in „Zeitbloom" der zwanziger Jahre. Durch ihn wird die Oberflächlichkeit einer „Scheingesellschaft" entlarvt, ie Perversion des „American Dream", der nicht mehr das ursprüngliche Streben nach Freiheit und Glück in den Vordergrund stellt, sondern das hemmungslose Verlangen nach Reichtum und Macht.

Scott Fitzgerald gelang mit 28 Jahren sein Meisterwerk, das heute für die Zwischenkriegsepoche der „wilden zwanziger Jahre" steht und auch das Leben des Autors spiegelt.

 

28. Mai 2009

Jeannette Walls, Schloss aus Glas

„Schloss aus Glas" ist ein autobiographischer Roman. Hinter seinem poetischen Titel verbirgt sich eine harte Überlebensgeschichte von kaum vorstellbarer sozialer Brisanz.
Walls beginnt mit einem Schockeffekt: Sie, die Erzählerin, fährt, schön und teuer gekleidet, im Taxi zu einer Party - und erblickt ihre Mutter, eine Obdachlose, die in Abfalleimern wühlt.
Im Roman erzählt sie die Vorgeschichte dieser Szene und die Fortsetzung, und sie erzählt mitreißend: es ist todtraurig, witzig, unfassbar, was diese Kinder er- und überlebt haben, eine Kindheit ls verrücktes Abenteuer, ganz und gar unkonventionell.
Jeanette Walls ist Journalistin, sie schreibt Kolumnen und ist beim amerikanischen Sender MSNBC zuständig für Prominentengeschichten. Sie hat ihre Vergangenheit lange geheim gehalten, war häufig in Panik, dass jemand etwas über ihre chaotische Kindheit herausfinden könnte. Das Buch hat in Amerika großes Aufsehen erregt.

 

30. April 2009

Jon McGregor, Nach dem Regen

„If Noboby Speaks of Remarkable things“ ist der Originaltitel des Erstlingsromans von McGregor. Der Tag, an dem scheinbar nichts Bemerkenswertes geschieht, ist der letzte eines Sommers in einer namenlosen Straße in einer ungenannten Stadt irgendwo in England. Menschen mit ihren eigenen Geschichten erwachen, ein junger Mann beobachtet sie; er würde sie gern kennen lernen, wagt es aber nicht. Nur eine Sammlung unwichtiger Dinge, Fundstücke von der Straße, und Momentaufnahmen seiner Sofortbildkamera verbinden ihn mit der Umwelt. Doch dann bricht in den Alltag ein schrecklicher Unfall ein. „Eine Parabel der kleinen Dinge“ nennt Susanne Frane den Roman (Nürnberger Nachrichten, 29.4.2005), der sicher nicht leicht zu konsumieren ist. Man muss sich hineinlesen in seine Erzählweise, aber irgendwann packt es einen.

 

26. März 2009

Ian McEwan, Saturday

In der ZEIT machte Ulrich Greiner mit folgenden Zeilen neugierig auf diesen Roman: „Der englische Romancier Ian McEwan ist einer der größten Könner unserer Tage, und sein neuer Roman Saturday ist ein Bravourstück. Er schildert einen einzigen Tag im Leben des Londoner Neurochirurgen Henry Perowne und zeigt uns eine ganze Welt: ausgestattet mit allen Insignien einer gut situierten bürgerlichen Kultur, verdunkelt von der Internationalen des Terrors und vom bevorstehenden Irak-Krieg, bedroht vom Einbruch krimineller Gewalt ins familiäre Idyll. Die zeitdiagnostische Qualität des Romans ist von den (kurz darauf folgenden) Sprengstoffanschlägen (in London) dramatisch bestätigt worden.“


26. Februar 2009

Antonio Tabucchi, Erklärt Pereira

„Wenn es um politische Missstände und Verteidigung der Demokratie geht, nimmt Antonio Tabucchi kein Blatt vor den Mund. Ähnlich dem Helden seines bekanntesten Romans „Erklärt Pereira“ ist der italienische Schriftsteller, geboren 1943 in Norditalien, immer mehr zum kritischen Zeitzeugen geworden – vor allem, seit Medienmogul Silvio Berlusconi in der italienischen Politik maßgeblich mitmischt,“ schreibt Katie Kahle für dpa.
Der Roman „Erklärt Pereira“ erschien im Januar 1994, und die fiktive Geschichte Eines älteren portugiesischen Kulturjournalisten, der sich 1938 während der Salazar-Diktatur vom Mitläufer zum Rebellen wandelt, wurde von der italienischen Öffentlichkeit als deutliche Stellungnahme zur bevorstehenden Wahl verstanden.
Pereiro, verwitwet, alt und bequem geworden, zieht sich bei der Gestaltung seiner Kulturseite auf die französischen Erzähler des 19. Jahrhunderts zurück, von Politik will er nichts wissen. Dann aber wird er durch einen jungen Mann aus der Untergrundbewegung zu neuem Engagement gedrängt.
Und wenn Sie nicht – allzu neugierig – Das Nachwort des Autors vorweg lesen, werden Sie bis zum Schluß nicht Dahinter kommen, wem und zu welchem Zweck Pereira das alles erklärt!
Der Roman wurde 1995 mit Marcello Mastroianni in der Titelrolle verfilmt.

 

29. Januar 2009 

Walter Kempowski, Alles umsonst 

„Bei dir gilt nichts denn Gnad und Gunst,
die Sünde zu vergeben;
es ist doch unser Tun umsonst
auch in dem besten Leben.“

Unter dem Motto dieser Liedzeilen von Martin Luther erzählt Walter Kempowski eine Fluchtgeschichte. Sie spielt im eisigen Winter 1945, und beginnt auf einem ostpreußischen Gutshof. Immer mehr Flüchtlinge ziehen vorbei, aber die Bewohner des Georgenhofes, vor allem die „wie vom Himmel gefallene“ Hausherrin, wollen die Gefahr nicht sehen. Dann aber holt die Wirklichkeit auch sie ein. Alles umsonst entwickelt, so Wolfgang Höbel im SPIEGEL, „denselben Sog … wie ein besonders grausiges, sehr böses Märchen von der Vergeblichkeit aller Menschenmühe.“



2008

27. November 2008

Wibke Bruhns, Meines Vaters Land

Im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 wird der Abwehroffizier Hans Georg Klamroth wegen Mitwisserschaft als Hochverräter hingerichtet. Seine Tochter Wibke ist damals sechs Jahre alt. Jahrzehnte später sieht sie, Reporterin und erste Nachrichtensprecherin des deutschen Fernsehens, zufällig in einer Dokumentation über die Prozesse vor dem sog. Volksgerichtshof in einer Sequenz ihren Vater, wie er kerzengerade vor dem tobenden Roland Freisler steht. Von dem Augenblick an beschließt sie, Nachforschungen anzustellen über diesen Mann, ihren Vater, von dem sie fast nichts weiß.

Meines Vaters Land markiert eine neue Form der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und den Verstrickungen der Elterngeneration. Der anklägerische Gestus der 68er ist verschwunden. Die Autorin will nicht verurteilen, sondern verstehen – verstehen, wie es soweit hat kommen können!“ (Volker Ullrich, DIE ZEIT, 19.2.2004)

 

30. Oktober 2008

Günter Grass, Im Krebsgang

Es ist eine Familiengeschichte ganz eigener Art, die Günter Grass hier entwickelt. Im Auftrag eines ungenannten „Alten“, der unschwer als der „getarnte“ Autor zu identifizieren ist, soll der eher mittelmäßige Journalist Paul Pokriefke vom Untergang der „Wilhelm Gustloff“ im Januar 1945 berichten. Er tut das eher widerwillig, denn er hat diese alte Geschichte gründlich satt, hat er sie doch immer wieder aus dem Mund seiner Mutter anhören müssen: sie ist eine der wenigen Überlebenden der Schiffskatastrophe, er, der Sohn, kam im Rettungsschiff zur Welt! Dann aber, 50 Jahre später, macht er beim Recherchieren im Internet die erschreckende Entdeckung, dass die alte Geschichte eine ihn unmittelbar betreffende Fortsetzung hat…


25. September 2008

Peter Stamm, Agnes

Der Ausgang des Romans ist von Anfang an klar: Agnes, eine der beiden Hauptpersonen, wird tot sein, getötet von einer Geschichte. Damit ist die Aufmerksamkeit des Lesers ganz auf den Verlauf und die Entwicklung des Geschehens gelenkt. In der Universitätsbibliothek von Chicago begegnen sie sich zum ersten Mal, der Ich -Erzähler, ein Schweizer Journalist und Sachbuchautor, und Agnes, eine junge amerikanische Physikerin, die an ihrer Dissertation schreibt. Beide fühlen sich von Anfang an zueinander hingezogen. Als Agnes zufällig von einigen literarischen Versuchen ihres Geliebten erfährt, drängt sie ihn, ihre gemeinsame Liebesgeschichte zu schreiben, mit der Prognose des Endes.

Ein fatales Beginnen, denn nach und nach verschwimmen die Grenzen der Realität und die Fiktion gewinnt immer mehr an Macht.

„Agnes“ ist der Debüt-Roman des Schweizer Schriftstellers Peter Stamm, Jahrgang 1963. Das Schwierige an Stamms Büchern liege darin, dass sie so einfach seien, sagt Ulrich Greiner in der ZEIT (2001). 

 

28. August 2008

Per Petterson, Pferde stehlen

Trond Sander, ein Pensionär von 67 Jahren, hat sich nach dem Unfalltod seiner Frau in ein Haus in Ostnorwegen zurückgezogen, mitten in der Natur an einem See gelegen. Eigentlich möchte er nur noch eins sein mit der Landschaft, die er von je her geliebt hat, und sich nur noch auf das Notwendige zum Überleben konzentrieren.

Dann aber kommen die Erinnerungen an den Sommer 1948 hoch, den er mit seinem Vater in eben dieser Landschaft verbrachte. Er half beim Holzfällen, freundete sich mit dem Nachbarssohn an, bis in dessen Familie ein schreckliches Unglück geschah. Und er erfuhr, dass sein Vater während der Kriegsjahre mit der Nachbarsfrau im Widerstand war und die beiden politisch Verfolgte über die Grenze nach Schweden gebracht hatten. „Pferde Stehlen“ war damals das Codewort für diese Aktionen gewesen – und diesen Ausdruck benutzen die beiden Jungen später für Reitausflüge auf entführten Arbeitspferden. Nach diesem Sommer verließ der Vater die Familie, der Sohn sollte ihn nie wieder sehen.

Per Petterson, Jahrgang 1952, arbeitete als Buchhändler und Übersetzer, bevor er sich als Schriftsteller einen Namen machte.

 

31. Juli 2008

Urs Widmer, Das Buch des Vaters

Es ist etwa vier Jahre später entstandenals die Geschichte der Mutter, die wir im Mai lesen. „Das Buch des Vaters“ ist ein leiser Roman mit einem unauffälligen Helden.

In „Der Geliebte der Mutter“ war der Vater der große Abwesende, wir hören zwar, dass die Mutter ihn heiratet und dass er „vor dem Alter eigentlich, in dem Männer sterben“ schon wieder geht, aber sonst nichts. Diese Leerstelle schließt Urs Widmer und erzählt jene Geschichte, die damals ausgespart wurde. „Und freilich erkennt man nun auch, dass und wieso sie im Buch der Mutter nicht hatte erzählt werden können: Es sind zwei Biographien mit fast keinen Berührungspunkten“. (Roman Bucheli, NZZ 27.1.2004)

Walter Widmer, im Buch „Karl“ genannt, war Lehrer, Schriftsteller und Übersetzer. Er verkehrte in der Baseler Bohème, träumte von einer besseren Welt, war befreundet mit Musikern, Malern, Exilschriftstellern und Verlegern. Er war wohl kein idealer Vater, aber das liebevolle Portrait des Sohnes, augenzwinkernd und oft mit Ironie erzählt, spricht für sich. Wo aber bleibt er, der Sohn? In beiden Büchern ist er zurückhaltend, unparteiisch und versöhnlich.

Nicht ein Wort der Anklage, dafür aber viel Verständnis für die komplizierten Lebensumstände der Eltern. Beide Bücher zusammen ergeben ihren „Roman“ – deshalb lesen wir sie beide!


 Im Juni war kein Literaturkreis


 29. Mai 2008

Urs Widmer, Der Geliebte der Mutter

Anfangs- und Endpunkt dieses Romans ist die Beerdigung des Geliebten der Mutter, und dazwischen erzählt Urs Widmer die Lebensgeschichte
Claras, seiner Mutter, einer Tochter aus wohlhabender Familie, die durch die Weltwirtschaftskrise in den zwanziger Jahren ihr Vermögen verliert, und ihre fatale Beziehung zu Edwin, der vom arme Studenten aufsteigt zu einem der berühmtesten Dirigenten seiner Zeit. Clara ist ihm von Beginn ihrer Bekanntschaft rettungslos verfallen, während er sie ausnutzt und schließlich sitzen lässt. Sie heiratet einen namenlosen Mann, bekommt einen Sohn, wird zunehmend von Depressionen gequält und endet schließlich durch den Sprung aus einem Fenster des Altenheims. Eine „Verneigung vor einem schwer zu lebenden Leben“ nennt Urs Widmer seine Beschreibung der Lebenstragödie seiner Mutter, ein Buch, von dem er sagt, dass es „ganz nahe bei der Mutter“ bleibe und er 20 Jahre warten musste, um es schreiben zu können. Entstanden ist ein literarisches Meisterwerk, ein „Requiem“ hatte Widmer es genannt.

24. April 2008

Tanja Dückers, Der längste Tag des Jahres

In diesem Roman geht es zunächst darum, wie fünf Geschwister, zwei Töchter und drei Söhne, die Nachricht vom plötzlichen Tod des Vaters aufnehmen und zu verarbeiten suchen. Spannend ist, wie nun alle beginnen, eine Art biographischer Bilanz zu ziehen. Sie erinnern sich an die unvermeidlich prägenden Jahre in der Familie, aus der sie herauswuchsen in die Lebensumstände, in denen sie sich jetzt befinden Lebensumstände sehr unterschiedlicher Art! Auch wenn man es vermuten könnte: dieser Roman ist alles andere als eine „Abrechnung“ mit der Vergangenheit.

27. März 2008

Irmgard Keun, Das kunstseidene Mädchen

Keuns Roman, der 1932 erschien, wurde  sofort zu einem Verkaufsschlager – was die Autorin allerdings nicht davor bewahrte, von den Nationalsozialisten verfemt und ins Exil getrieben zu werden. „Das kunstseidene Mädchen“ landete ebenso wie ihr Erstling „Gilgi“ als sogenannte „Asphaltliteratur mit antideutscher Tendenz“ auf der Schwarzen Liste.
Doris, die Protagonistin des Romans, ein Mädchen aus kleinen Verhältnissen, hat eines Tages ihre langweilige Büroarbeit satt und bricht auf, „ein Glanz“, eine berühmte Schauspielerin, zu werden. Für ihre Ambitionen setzt sie ihre erotische Wirkung auf Männer gekonnt ein, aber letztlich scheitert sie. Im Stil der späten zwanziger Jahre erzählt Doris von ihren kleinen und großen Abenteuern, von ihrem Scheitern auch: wir finden sie am Schluß allein, obdachlos und ohne Geld im Wartesaal am Bahnhof Zoo. Eine brillante Gesellschaftsstudie, „zum Lachen ernsthaft und zum Weinen komisch“ (Barbara Damm).
Auch Irmgard Keuns Leben, bis zu ihrem bitteren Ende, wird zur Sprache kommen.

28. Februar 2008

Irene Dische, Großmama packt aus

Nein, es geht nicht um Haushaltstipps nach dem Motto „Was Großmutter noch wusste“, sondern um die Familiengeschichte der Autorin! Irene Dische, deutschstämmige amerikanische Erzählerin, lässt ihre Großmutter Elisabeth zu Wort kommen, und die macht aus den eigentlich gar nicht so komischen Erlebnissen ihrer deutschjüdischen Sippschaft im 20. Jahrhundert eine spannende, höchst amüsante Geschichte.
Übrigens plaudert Oma aus dem Jenseits, und ihre Kommentare sind treffend und ohne Rücksicht auf Empfindlichkeiten.
Die postume Abrechnung mit dem Chaos der Welt im allgemeinen und ihrer eigenen Sippe, speziell den Männern, im besonderen ist ein purer Lesegenuss.

 

 31. Januar 2008

Bertina Henrichs, Die Schachspielerin

Dies ist das Romandebüt der in Frankfurt geborenen Filmemacherin Bertina Henrichs, die seit knapp 20 Jahren in Paris lebt. Der Roman „Die Schachspielerin“ erzählt von einem griechischen Zimmermädchen, das eines Tages beim Aufräumen in einem Gästezimmer versehentlich die Figur eines Schachspiels umstößt. Fasziniert von dem fremdartigen Spiel beschließt sie, es selbst zu erlernen, und sie schafft es allen Widerständen zum Trotz.
Sie erspielt sich ein Stückchen persönlicher Freiheit, und schließlich, wie es sich in einer so zauberhaften, charmanten Geschichte gehört, sogar die Anerkennung des Dorfes.

 



2007

29. November 2007

Margriet de Moor, Die Verabredung

Es sei die Geschichte einer Straße, schreibt Margriet de Moor am Anfang, und diese Straße zieht sich wie ein Unheil bringendes Band durch den Roman, als Verbindung zwischen den Personen und als tödliche Falle. „Die Verabredung“ ist aber auch die Geschichte eines Ehebruchs, ausgelöst durch das Auffinden eines Terminkalenders, der den Tierarzt Vincent Lukas, „dem es im Leben nicht einfiele, seine Frau zu verlassen“, beinah schicksalhaft in die Affäre mit einer verheirateten Frau treibt. Der Roman endet wieder auf der berüchtigten Straße mit den Worten „Oh, sei vorsichtig“ – eine Warnung, die, wie man vermuten muss, ür die Person, an die sie gerichtet ist, zu spät kommt.

27.September 2007

Hans-Ulrich Treichel, Der Verlorene

Mit diesem Roman machen wir noch einmal einen Rückgriff in die Kriegs- und vor allem Nachkriegszeit. Ulrich Treichel erzählt die Geschichte einer Kindheit, die im Schatten des abwesenden älteren Bruders steht, der 1945 auf der Flucht aus Ostpreußen verloren gegangen ist. Dieser verlorene Bruder, dem die Eltern nachtrauern, den sie immer noch wieder zu finden hoffen, macht aus dem jüngeren Bruder selbst einen Verlorenen, einen „Ersatz-Sohn", der eigentlich gar nicht recht vorhanden ist. Mit lakonischer Sprache und Szenen von entlarvender Komik zeichnet der Autor das Psychogramm einer Familie, die an ihrer Geschichte schwer zu tragen hat, und fängt die eigenartig zwiespältige Atmosphäre der 50er Jahre ein.

30. August 2007

Nadine Gordimer, Die Hauswaffe

Dieser Roman ist fast ein Krimi, aber eben nicht nur. Er greift den alten Konflikt Siidafrikas auf: Das Zusammenleben von Schwarz und Weiß, das auch nach Ende der Apartheid noch konfliktbeladen ist. Duncan, ein junger Weißer, hochbegabt, der Stolz seiner Familie, hat

einen Freund erschossen. Die Hoffnung auf ein mildes Urteil ruht auf seinem Verteidiger, einem exzellenten Juristen - und schwarz. Ein hochinteressantes Netz von Beziehungen entwickelt sich.

 

26. Juli 2007

Ulla Hahn, Unscharfe Bilder

Eine unscharfe Fotographie hat die Protagonistin in der Ausstellung „Verbrechen im Osten" gesehen, und sie hat darauf ihren Vater bei der Erschießung russischer Zivilisten erkannt. Dieser Vater - bis zu seiner Pensionierung allseits geachteter Studienrat - lebt seit Jahren in einem Seniorenheim. Die Tochter hat ein sehr herzliches Verhältnis zum Vater. Umso tiefer ist der Schock, den ihr das Foto versetzt, zerstört es doch ihr Bild vom Vater. Sie konfrontiert ihn mit dem Ausstellungskatalog, urn ihn zu einem Bekenntnis zu zwingen

 

28. Juni 2007

Der Film „Eleni" an - als Erinnerung an den gleichnamigen Roman von Nicholas Gage, über den wir im Februar gesprochen haben.

 


Im Mai war kein Literaturkreis



26. April 2007

Viola Roggenkamp, Familienleben

Viola Roggenkamp erzählt von deutschjüdischem Familienleben in den 60er Jahren in der Bundesrepublik, von der Verarbeitung des Traumas, das die Zeit der Verfolgung ausgelöst hat, und - mit viel Witz und Wärme - vom Erwachsenwerden der jungen Fania und ihrer Schwester.


29. März. 2007

Keto von Waberer, Schwester

Dies autobiographische Buch erzählt eindrucksvoll von der Kindheit zweier Schwestern. Die Autorin hat nach eigenen Worten damit ihrer Schwester, die sowohl engste Verbündete als auch Gegnerin und Rivalin war, ein literarisches Denkmal gesetzt.

 



26. Februar 2004:

Jana Hensel: Zonenkinder 

Jana Hensels ,,Zonenkinder" ist ein Text,
der polarisiert. Es ist der autobiographische Bericht über eine Zwischen-, eine Zwittergeneration, die die Wende als Zwölf- bis Fünfzehnjährige erlebte und fortan, im ersten lahrzehnt nach der Wende. zwischen den Stühlen saß: Ausgestattet mit einer Ost- ldentität, die sie prägte konfrontiert mit einer West-Sozialisation. Haben wir uns die DDR nur eingebildet? fragt sie, und macht sich auf Erinnerungssuche.

 

I8. März 2004:

Marleen Haushofer Die Mansarde

Die Mansarde ist das Refugium der Frau eines Rechtsanwalts und Mutter zweier Kinder, Fluchtort vor dem banalen Hausfrauenalltag. Aber Vorsicht: ,Haushofer hat eine listige. wenn nicht hinterlistige Literatur geschrieben, Ihre Literatur gibt vor, Hausfrauenliteratur zu sein, sie ist aber ein scharfsinniger Realismus mit doppeltem Boden. Sie selbst führte ein Doppelleben zwischen der Kleinstadt Steyr und Wien" - schreibt ihre Biographin Daniela Strigl.

 

22. April 2004:

Birgit Vanderbeke: Das Muschelessen 

,,Ein Berg gekochter Muscheln auf dem Tisch, davor ausharrend Mutter, Tochter und Sohn, wie hypnotisiert vom Schatten des Abwesenden: Der Vater wird von einer Dienstreise zurückerwartet, die ,der letzte Meilenstein auf dem Weg zur Beförderung‘ sein soll" (Spiegel)

Am Schluss wandern mit den nicht gegessenen Muscheln noch so manches andere auf den Müll.

 

17. Mai 2004:

Traudl Junge: Bis zur letzten Stunde

Die Sekretärin des ,,Führers" blickt zurück auf ihr Leben, immer vor dem Hintergrund der Frage, ,,wie es geschehen konnte. dass I942 eine junge Frau eine Stelle bei dem Mann einnahm, der das Leben von Millionen Menschen vernichtete - zu dem Zeitpunkt, als eine andere junge Münchnerin, Sophie Scholl, das Ausmaß von Hitlers Verbrechen längst erkannt hatte und als Widerstandskämpferin ermordet worden war." Das Buch schildert Traudl junges Sicht auf ihre Vergangenheit, die wie ein Schatten über ihrem Leben lag. und ihr Entsetzen angesichts ihrer Schuld und Naivität.

  

21. Oktober 2004

Joseph Roth: Die Flucht ohne Ende

Auch Joseph Roth ist ein alter Bekannter im Literaturkreis („Hiob"). Diesmal geht es - wie so oft in Roths Werk - um den Untergang der Donaumonarchie und die Auswirkungen auf den Einzelnen. Fritz Tundra, ein österreichischen Oberleutnant, streift nach dem Ersten Weltkrieg ziellos durch Europa und Asien Aut seinem langen Weg bis nach Paris zeigt sich immer deutlicher, dass er mit dem Untergang des Habsburger Reiches nicht nur seine Heimat, sondern auch seine Identität verloren hat.

 

25. November 2004:

Arnold Zweig, Junge Frau von 1914

Arnold Zweigs bekannter Roman „Der Streit um den Sergeanten Grischa" behandelt meisterhaft die Zeit und den Irrsinn des Ersten Weltkriegs; auch dieser Roman zählt zum sog. „Grischa - ZykIus' Eine junge Frau steht im Mittelpunkt.
Aufgewachsen im behüteten Milieu einer preußisch-jüdischen Bankiersfamille, erzogen für die typische Frauenrolle ihrer Zeit, die der Hausfrau und Mutter. Um ihren Geliebten, einen angehenden Schriftsteller, muss sie gegen ihre Familie kämpfen - aber auch die Beziehung der beiden ist konfliktbeladen. Ein zunächst kriegsbegeistert wie so viele junge Intellektuelle, Endet erst im Anschauungsunterricht" an der Front zu sich selbst und seiner Geliebten zurück. Happy End? Ungewiss!